Veröffentlicht von Angela Walther am Mo., 24. Mai. 2021 05:59 Uhr

Predigt zum Mitnehmen vom Pfingstgottesdienst, 23.5.2021

Ich lese Worte, die Jesus einmal zu seinen Jüngern gesagt haben soll. So wird es uns im Johannesevangelium in Kapitel 14 überliefert:

15Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.  16Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern 

Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

18Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. 

Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. 20An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21Wer meine Gebote hat und hält sie, der liebt( auch mich) . Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

22Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

25Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. 

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist das letzte Mal, dass Jesus mit seinen Jüngern zusammen ist. Beim letzten Abendmahl gibt er ihnen diese Worte mit auf den Weg. Der Abschied steht bevor. Die Jünger werden ohne Jesus zurückbleiben. Sie sind verstört. Bestimmt haben sie auch Angst vor dem, was kommt. Sie brauchen Trost.  Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen, verspricht Jesus. Gott wird euch einen andern Tröster geben (…): den Geist.

In den letzten Wochen und Monaten hätte auch mir Trost gutgetan. Dabei habe ich gar keinen lieben Menschen verloren wie die Jünger ihren Jesus. Dabei ging es mir so viel besser als manchen anderen. Ich hatte einen anstrengenden Familienalltag. Vor allem habe ich liebe Verwandte und Freunde vermisst. Mittlerweile spüre ich einfach etwas Coronamüdigkeit. Das ist in nichts zu vergleichen mit den Tragödien, die sich auf den Intensivstationen ereignen. Ich hatte keinen Grund zu jammern. Und doch! So ein Tröster hätte mir in der letzten Zeit gut getan. Jemand, der mich in den Arm nimmt, ähnlich wie meine Mutter, wenn sie mich früher getröstet hat. Jemand, der Mut macht, dass wieder bessere Zeiten kommen.

Seit kurzem gibt es endlich wieder Grund zur Hoffnung. Die Inzidenzwerte fallen, Christian Drosten stellt uns einen „guten Sommer“ in Aussicht. Die ersten Durchgeimpften dürfen bereits aufatmen und ihre neuen Freiheiten genießen, welch ein Segen! Es ist förmlich spürbar, wie Sorgen der vergangenen Wochen von vielen abfallen. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht, diese Worte aus dem Predigttext kommen mir in den Sinn. Und zugleich stellen sich mir Fragen: Wird es uns gelingen, uns mit den Geimpften über ihre Freiheiten zu freuen und gleichzeitig Rücksicht zu üben mit den Übrigen, die noch auf ihren Impftermin warten oder zögern... ? Wie wird sich dies auf unser Gemeinschaftsgefühl auswirken? Dass es weiter von Achtsamkeit und Gunst geprägt sein wird, wäre mir eine Herzensangelegenheit.

Ich denke an die Jünger, die damals mit Jesus zusammensaßen. Auch sie dachten nach über ein gutes Miteinander. Auch sie hatten schwierige Fragen. Damit konnten sie sich an Jesus wenden. Welchen Rat würde uns Jesus geben, wenn er hier wäre? Ich lebe und ihr sollt auch leben, das hat Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben. Ihr sollt auch leben: das Leben ergreifen, seine Möglichkeiten nutzen. Jetzt. Übertragen auf heute könnte das heißen: Die Lebenszeit nicht verstreichen lassen und auf Zeiten nach Corona warten, wann auch immer das sein wird. Möglichkeiten nutzen, die sich bieten, das Miteinander zu leben. Mir kommt die Frage: Wann eigentlich habe ich das letzte Mal mit vielen anderen zusammen das Leben gefeiert, getanzt?  Auch Jesus hat früher gefeiert, damals bei der Hochzeit in Kana, ich erinnere mich an die Geschichte. Aber jetzt ist gerade für ihn und seine Jünger nicht der richtige Zeitpunkt zum ausgelassenen Feiern. Der Abschied ist da. Feierlich ist es trotzdem. Feierlich sind die Worte, die Jesus an sie richtet.

Ihr bleibt in mir und ich in euch. Das klingt ein wenig wie Jesus im Herzen zu tragen, ihn immer mit dabei zu haben. Er sagt: Wer meine Gebote hat und hält sie, der liebt( auch mich). Wer Jesus oder Gott im Herzen trägt, handelt gern nach den Geboten. Der zögert nicht, wenn jemand Beistand braucht. Wie Nächstenliebe geht, hat Jesus vorgelebt. Übertragen auf die aktuelle Situation:  Vielleicht zu versuchen, mich ohne Neid und Missgunst mit jemandem über seine Impfung zu freuen, auch wenn ich noch nicht mit Impfen dran bin. Dem anderen die Freiheiten zu gönnen, die ich noch nicht habe.  Oder, wenn ich schon länger geimpft bin, Verständnis zu haben, dass sich andere lieber noch draußen treffen möchten. Schauen, wo jemand weiter allein ist. Da sein, wo jemand in meinem Umfeld Trost braucht. Trösten, aber nicht zu lange im Trübsal Blasen verharren. Denn schließlich wächst die Hoffnung. Manchmal braucht es nicht nur jemanden, der tröstet, sondern auch jemanden, der beflügelt. Der mein Herz zum Schwingen bringt. Dass ich den Moment lebe, Freude wieder ihren Platz haben darf in diesem Frühling. Ich hätte Lust, einmal wieder zu tanzen. Und gleich kommen mir Worte aus einem Song von Helene Fischer in den Sinn, der mir zurzeit nicht aus dem Kopf geht:

Auf das Leben ist Verlass.

Es hat noch viel zu geben.

Und ich nehm´ deine Hand,

muss tanzen, immer weiter.

Ich vergesse den Verstand.

Der Horizont wird breiter

Herzbeben, lass uns leben.

Da ist jemand verliebt, vermute ich. Das Herz klopft bis zum Hals. Gemeinsam das Leben zu genießen, dieser Wunsch wird Herzensangelegenheit. Dann geht der Text weiter, klingt plötzlich geheimnisvoll und fast übersinnlich:

Reiß dich los, ich will schweben, dir entgegen, Herzbeben.

Nun wird es schwerelos. Da hebt jemand gefühlt vom Boden ab, fühlt sich zu jemand anderem hingezogen. Eine Sehnsucht, ein Streben wird hier beschrieben. Etwas Unsichtbares. Eine Kraft. Hier vorn lodert das Feuer. Und schon denke ich wieder an Pfingsten.

Jesus hat gesagt: Ich komme wieder. Nach der Auferstehung warteten die Jünger auf seine Wiederkunft, warten und warteten. Sie rechneten damit, dass Jesus noch einmal leibhaftig auf die Erde käme. Bei uns im Predigttext sagt Jesus seine Wiederkunft anders voraus: Dass er unsichtbar käme, durch den Geist und er dann in den menschlichen Herzen wohnen werde.  

Jesus sagt vom Geist: Er bleibt bei euch und wird in euch sein. Wenn Gottes Geist mit mir ist, dann ist er immer bei mir, egal, was ich tue, auch wenn ich nicht im Gottesdienst sitze. Auch wenn ich an den Mann denke, den ich liebe. Gottes Geist ist da, wenn ich unterwegs Musik höre oder zu einer Melodie summend durchs Zimmer tanze. Es muss ja nicht immer ein Kirchenlied sein. Selbst bei dem Lied von Helene Fischer kann ich an Gott denken, obwohl es überhaupt nicht religiös ist. Komm und reiß dich los, ja, wir haben uns gefunden, singt sie und denkt wohl an eine aufregende Liebesbeziehung. Warum sollte ich dabei nicht auch an meine Beziehung zu Gott denken? Irgendwie passt das, finde ich, ganz in dem Sinne, wie Jesus sagt: Wir, (Gott Vater und ich), werden zu einem Menschen kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

Das feiern wir zu Pfingsten, dass Gott durch den Geist Wohnung bei uns Menschen nimmt. Die Jünger hörten ein Brausen. Andere sahen Feuerflammen lodern. Gottes Kraft schien mit Händen zu greifen. Menschen ließen sich berühren. Fanden zusammen, um ihren Glauben gemeinsam zu leben.

Jesus sagt: (Der Geist) bleibt bei euch und wird in euch sein. Auch heute wird er in diesen besonderen Zeiten zum Tröster. Aber er will nicht nur trösten, sondern uns auch anstecken mit  Freude, dass er in unsere Herzen einkehrt. In meinem Ohrwurmsong heißt es:

Herzbeben, lass uns leben, lass doch unsere Körper reden.

Was sollen wir im Gottesdienst immer nur still in der Bank sitzen? Heute sind wir draußen. Wir tragen zwar Masken und müssen Abstand halten, aber niemand hat uns auf unseren Stühlen festgebunden. Als besonderes Amen als Abschluss dieser Predigt lade ich Sie und Euch ein, unserem Glauben auf besondere Weise Ausdruck zu verleihen. Zu den Klängen von Herzbeben, die Bernd Matyl uns in seiner ganz eigenen Version auf dem Keyboard spielen wird, stelle ich mir vor, dass wir uns zur Musik bewegen. Wir alle gemeinsam! Das ist ungewohnt. Damit wir uns trauen, animieren uns Kristina Apelganz und unsere GJV-Vorsitzende Leonie Fricke. So lasst uns jetzt Gott feiern an diesem Kirchengeburtstag. Amen!

Bleiben Sie behütet! Ihre Pastorin Angela Walther 


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